
1957 hat der Konsumverein Baden auf der Allmend eine Verkaufsfiliale errichtet – unser heutiges "Chrättli". Das Gebäude wurde vom Badener Architekturbüro Loepfe + Hänni erstellt und steht heute unter besonderem Schutz – es ist in der Inventarliste eingetragen.
1972 sank der Umsatz in der Filiale Allmend derart, dass der Verwalter des Konsumvereins Baden die Schliessung des Ladens anordnete. Gleichzeitig stellte das Geschäft "Comestibles Schlossberg" den Hauslieferdienst ein. Eine äusserst unangenehme Situation für das wachsende Allmend-Quartier. Der Umsatzrückgang hatte verschiedene Gründe – vor allem mangelte es jedoch an der Freundlichkeit des Personals und an der Frische der Produkte.
Ich zitiere aus dem Aargauer Kurier vom 15. März 1973:
"Die Bewohner des Allmendquartiers und somit auch die potenziellen Kunden im Coop-Lädeli traten aber nicht mehr als Käufer auf, da die Bedienung wie auch die ausgestellten Waren zu wünschen übrig liessen..." (Ende des Zitats)
Bereits im Dezember 1972 fanden sich unter der Leitung von Ludwig Niehus engagierte Quartierbewohner zusammen, um den Laden vor der Schliessung zu retten. Es wurde ein Initiativkomitee gegründet. Dieses rief am 15. Dezember 1972 unter dem Titel „Selbsthilfe ist die wirksamste Hilfe“ die Quartierbewohner dazu auf, die Gründung einer Genossenschaft zu unterstützen. Das Ziel war es, 50'000 Franken für die Erstausstattung des Ladens zu sammeln. Mit Coop (dem Nachfolger des Konsumvereins Baden) wurde bereits ein Pachtvertrag mit einer monatlichen Miete von 1'000 Franken ausgehandelt. Die USEGO stellte sich als Hauptlieferant zur Verfügung.
Die Zeichnungsfrist für die Genossenschaftsanteile wurde sehr sportlich angesetzt – noch vor Weihnachten 1972 wollte man das benötigte Geld beisammenhaben. Nach gut einer Woche war das Ziel erreicht.
Am 10. Januar 1973 fand dann die Gründungsversammlung der Genossenschaft Allmend (noch ohne den Zusatz "Chrättli" im Namen) statt. In den Vorstand wurden folgende Personen gewählt:
- Frau Susanna Merker-Sauter
- Frau Sonja Reichardt
- Herr Hanspeter Ritz
- Herr Walter Täuber
- Herr Werner Thomann
Ludwig Niehus wurde als Geschäftsführer der Lebensmittel-Genossenschaft Allmend vorgestellt. Die Eröffnung des Ladens war eigentlich für den 8. Februar 1973 geplant, jedoch öffnete er erst am 1. März 1973.
Anschließend wurde mittels eines Wettbewerbs nach einem passenden Namen für den Quartierladen gesucht. Die Familie Riolo aus der Allmendstrasse setzte sich mit ihrem Vorschlag "Chrättli" durch.
Gerade einmal ein Jahr später wurde das bestehende Konzept jedoch stark erschüttert – Coop äußerte die Absicht, das Ladenlokal verkaufen zu wollen, und die Genossenschaft war finanziell nicht in der Lage, das Gebäude zu erwerben.
Am 16. April 1974 griff Hanspeter Ritz tief in die eigene Tasche und kaufte das Ladenlokal privat. Mit dieser Tat legte er einen weiteren Grundstein dafür, dass es unser Chrättli heute noch gibt.
Über zwölf Jahre später konnte im Quartier eine Erhöhung des Genossenschaftskapitals erreicht werden, sodass am 28. November 1986 genügend Geld vorhanden war, um Hanspeter Ritz das Gebäude abzukaufen.